Nach Rossmann und Müller ist diese Woche nun auch die Drogeriemarktkette dm mit ihrem eigenen Onlineshop in Deutschland live gegangen. Ab sofort können Kunden auf dm.de über 9.000 Produkte online einkaufen und sich diese für 4,95 € nach Hause oder in die Filiale liefern lassen. Die Lieferzeit liegt bei 2 bis 3 Tagen.

Bereits 2011 wurden die Eigenmarken über amazon vertrieben, was aus Rentabilitätsgründen aber 2013 eingestellt wurde. Der Verkauf von Drogerieartikeln im Internet hatte sich nicht gelohnt. Umso erstaunlicher, dass man jetzt doch nochmal einen Versuch wagt und dabei sogar mit einer komplett eigenen Lösung und einem 08/15 Konzept an den Start geht.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es nicht einfach ist, einen Mono-Brandshop zu betreiben. Zwar wird es mittlerweile von den Kunden erwartet, dass sich die Marke im Netz präsentiert, allerdings schaut man sich – insbesondere wenn Versandkosten anfallen – doch eher nochmal woanders um oder geht in den Laden um die Ecke. dm wird sicherlich die Kostenrechnung gemacht haben, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass es umwelt- und ressourcenschonend ist, die Pakete zukünftig mit DHL und Hermes in ganz Deutschland zu versenden. Und das sogar auch an die Filialen, wo die Produkte im besten Fall sogar schon im Regal stehen.

Mit mehr als 1500 Filialen hätte man hier einen nachhaltigeren Ansatz verfolgen und anstatt die Pakete aus einem (oder mehreren) Zentrallager zu versenden, die Kundschaft aus dem Filialnetz bedienen können. Da die Filialen eh regelmäßig beliefert werden, könnte man so die zusätzliche Belastung für den Transport von Kleinstmengen einsparen, was dem Umwelt-Engagement von dm mehr gerecht werden dürfte. Zwar müssen die Waren von den Filialen auch zum Kunden transportiert werden, allerdings könnte das in den Ballungsgebieten noch am selben Tag per Fahrradkurier erfolgen. Dies wäre zum einen schneller (Stichwort Same-Day-Delivery) und würde gleichzeitig das stationäre Geschäft fördern, welches seit jeher befürchtet, durch den Onlinehandel Umsatz einzubüßen. Wenn man hier den „Nachbarschaftsansatz“ verfolgen würde, könnte man sicher ein Abrechnungsmodell finden, von dem die stationären Märkte ebenfalls profitieren.

Auch würde sich die Omi um die Ecke (nicht, dass ich behaupte, dass nur ältere Menschen den Service nutzen würden) sicherlich freuen, wenn sie alle paar Wochen vom selben netten Fahrradkurier beliefert werden würde, was mehr zur Kundenbindung beitragen dürfte, als wenn sie es vom Hermes oder DHL Boten vor die Tür geworfen bekommt (nicht, dass ich sage, dass das der Fall ist ;)). Wer es selbst abholen will, könnte die Bestellung Frühs aufgeben, um sie nachmittags schnell in der Filiale oder nach Feierabend in einer Art Packstation abzuholen. In dem Fall sollten dann keine Versandkosten anfallen, sondern der Aufwand, die Artikel zusammenzusuchen, auf den Leitsatz „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein“ einzahlen.

Der Phantasie wären hier eigentlich keine Grenzen gesetzt. Stattdessen setzt man aber auf ein Konzept, was jede andere Drogeriemarktkette auch verfolgt und vergisst dabei die Werte „bürgerschaftliches Engagement“, „Umwelt und Ressourcen“, „Menschen bei dm“ und „Nachhaltigkeit“.

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