Das nervigste am Online shoppen und damit auch einer der häufigsten Gründe, warum der Kauf doch abgebrochen wird, ist die lästige Angabe sämtlicher Daten. In jedem Shop müssen Rechnungs- und Lieferanschrift sowie Zahldaten erneut eingegeben werden. Abhilfe will hier das Internet-Start-Up ShopCo mit seiner One-Button-Lösung schaffen. Jeder, der sich bei ShopCo registriert, hinterlegt einmalig Rechnungs- und Lieferadresse sowie seine bevorzugten Zahlarten (Kreditkarte, Paypal, Lastschrift, Rechnung). Anschließend installiert sich der ShopCo-Button im Browser, so dass der User in allen bekannten Onlineshops mit nur einem Klick kaufen kann.

Mit einem Klick meint dann auch tatsächlich mit einem Klick. Als ich diesen auf asos.de mal ausprobieren wollte, hatte ich (angeblich) direkt eine Bestellung aufgegeben, sogar ohne etwas im Warenkorb zu haben. Wie das geht und welches Produkt ich da jetzt erworben haben soll, wollte ich jetzt erst einmal nicht herausfinden, so dass ich innerhalb der 30 Minutenfrist, die Bestellung storniert habe. Auch ein Test auf meiner Webseite führte zur Bestellung, ohne dass es dort überhaupt Produkte zu erwerben gibt.

So ganz ausgereift scheint das „One-Click-Einkaufserlebnis“ daher noch nicht. Grundsätzlich klingt der Ansatz sowohl für den User (der nicht mehr alle Daten eingeben muss) als auch für die Onlineshops (weil die Kunden dann schneller zum Kaufabschluss kommen) vielversprechend. Momentan setzt ShopCo dabei aber komplett auf künstliche Intelligenz, was auch erklärt, warum eine „Bestellung“ auf meiner Webseite (die nicht mal Produkte führt) nach 30 Minuten auch als „Produkt ist bestellt und auf dem Weg zu dir“ gilt. Selbst wenn es auf meiner Webseite Produkte zu erwerben gäbe, müsste das System daran scheitern, dass ich keine Zahlart definiert habe (und das dem User auch so anzeigen).

Was als Ansatz beibehalten werden sollte:

1. Wer bereits bei verschiedenen Shops registriert ist und dort ggbfs. Preisvorteile erhält (wie bspw. Amazon Prime), kann diese auch dem ShopCo-Konto hinzufügen, so dass vom schnellen One-Click-Einkauf profitiert werden kann, ohne aber auf die Vorteile verzichten zu müssen. Zur Auswahl stehen hier aktuell allerdings lediglich amazon.de, otto.de und zalando.de.

2. Die Registrierung ist einfach und schnell gemacht. Der User wird zuerst nach Email-Adresse und Passwort gefragt. Danach steigt er in einen vierstufigen Prozess ein, in dem er Rechnungs- und Lieferadresse angibt, sowie Zahlungsoption und den One-Klick-Button
einrichte. Der User weiß somit zu jeder Zeit, wo er sich befindet und wie viele Schritte er noch zu gehen hat.

b2ap3_thumbnail_shop-co-persnliche-daten.jpgDa ich meine Rechnungsadresse schon angegeben habe, könnte diese beim Setzen der Zahlart Rechnung gerne bereits vorausgefüllt zur Verfügung stehen, so dass ich nur noch einmal bestätigen muss.

3. Das ShopCo Benutzerkonto ist übersichtlich und intuitiv. Hier habe ich auf einem Blick meine aufgegebenen und abgebrochenen Bestellungen sowie Lieferadressen, Zahlarten und meine eigenen Konten. Was ich bisher noch nicht gefunden habe (und das
gibt eindeutig Abzüge in der B-Note), ist, wie ich zu dieser Konto-Übersicht komme, ohne den Kauf-Button im Browser und anschließend den Link „zum ShopCo-Konto“ zu betätigen.

b2ap3_thumbnail_shop-co-bestellbersicht.JPG

Was ansonsten noch hinsichtlich Usability und User Experience verbessert werden sollte:

1. Aktuell gibt es wenig Erklärung, was nach der 30 Minuten Stornierungszeit passiert. Bestellungen, die nicht mal Produkte führen oder Zahlarten haben, wechseln ihren Status von „offen“ auf „bestellt“ und sogar „auf den Weg zu dir“ (was selbst für den schnellsten Onlineshop-Händler ziemlich sportlich wäre).

b2ap3_thumbnail_shop-co-dein-produkt-ist-unterwegs.JPG

2. Das Layout passt nicht ganz. Auf allen Shops hatte ich das Problem, dass im Bestätigungslayer der Titel des Shops aus dem Layer ragte und keine Abbildung zu sehen war (was vermutlich an dem fehlenden Produkt liegt). Das wirkt dann etwas unfertig.

b2ap3_thumbnail_shop-co-kauf.JPG

3. Vielleicht auch aufgrund des Umstandes, dass momentan noch egal, ob mit oder ohne Produkte Bestellungen aufgegeben werden, hatte ich noch nicht das Vertrauen meine Kreditkarten-, Paypal oder Lastschriftdaten anzugeben. Zwar wird mit „High level Security Policy“ geworben und mit Schlagwörtern wie SSL-/TLS Datenübertragung und AES-256-Bit-Verschlüsselung um sich geworfen, allerdings wird der gemeine User damit kaum was anfangen können. Letztlich würde mich ein funktionierendes System mehr überzeugen, als bloße Buzz-Wörter.

Von daher geben wir dem Ganzen nochmal ein bisschen mehr Zeit bis zur Marktreife.

Artikel hat gefallen? Gerne weiterempfehlen:
Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInEmail this to someone