Wir Deutschen gelten gemeinhin als Schnäppchenjäger. Nicht umsonst gibt es Gutscheinportale, auf denen potenzielle Kunden noch nach den letzten Rabatten schauen, bevor sie ihren Kauf im Onlineshop abschließen. Von den Onlineshops werden solche Portale als Affiliate-Partner zwar nicht unbedingt gerne gesehen, aber doch in den meisten Fällen geduldet, bringen sie doch Besucher auf ihre Webseite und sorgen für eine höhere Conversion.

Um den Schnäppchenjägern eine „Spielwiese“ auf der eigenen Plattform anzubieten, hat der Versandhandelsriese Amazon jetzt seinen eigenen Gutscheinbereich gelauncht, der allerdings noch mit einer komplizierten Benutzerführung aufwartet.

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So sind die Discounts momentan lediglich über den Einstieg auf www.amazon.de/coupons verfügbar, während man sie auf den Produktdetailseiten vergeblich sucht (Update 03.06.2015:
Mittlerweile sind sie auch auf der Produktdetailseite zu finden). Einen Link zu der Gutscheinseite im Shop konnte ich bis heute auch noch nicht ausmachen (Sachdienliche Hinweise werden gerne entgegen genommen ;)).

Habe ich die Gutscheinseite durch Zufall gefunden, wird mir dort auf einer kleinen Grafik kurz erklärt, dass ich den Gutschein erst aktivieren und dann das Produkt in den Warenkorb legen muss, um meinen Rabatt an der Kasse abgezogen zu bekommen.

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Darunter geht es auch schon los mit der Auflistung der beliebtesten Coupons. Diese kann ich über ein Dropdown noch nach „Neu eingetroffen“, „Älteste(r/s)“, „Baldiger Ablauf“ und „Prozentuale Ersparnis“ sortieren bzw. über den Link „weitere beliebte Coupons“ auf einer extra Seite anzeigen lassen. Unter den beliebtesten Coupons befinden sich mehrere Slider mit Produkten aus Drogerie und Körperpflege, Spar-Abo Coupons und Haushalt.
Die Ersparnis wird mir entweder jeweils als konkreter EURO-Betrag oder als prozentualer Wert angezeigt. Was das Produkt aber aktuell und nach Abzug des Rabatts kosten wird, muss ich später im Checkout selbst herausfinden.

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Um den Rabatt zu erhalten, klicke ich also auf „Coupon aktivieren“, um dann zu sehen, wie lange er gültig ist. Damit kann ich dann als nächstes auf die Produktdetailseite gehen, wo ich das erste Mal den normalen Verkaufspreis für das Produkt sehe, allerdings weiterhin im Unklaren darüber gelassen werde, was es mich am Ende kostet. Erst wenn ich mit Produkt und Coupon in den Warenkorb gehe, wird mir dort auch der endgültige Preis angezeigt. Will ich weitere Produkte mit Rabatt kaufen, muss ich zurück auf die Coupon-Seite und den Vorgang wiederholen. Komfortabel für den User geht auf jeden Fall noch anders.

Was gut funktioniert:

1. Zu Beginn wird dem User kurz und bildhaft erklärt, welche Schritte er zu gehen hat, um von den Coupons zu profitieren

2. Für die, die den Hinweis überlesen, steht an jedem Produkt nochmal dran, dass der Rabatt erst an der Kasse abgezogen wird

Update 03.06.2015:

3. Mittlerweile reicht es von der Gutscheinseite auf eine Produktdetailseite zu gehen, um den Coupon zu aktivieren. Es muss nicht mehr explizit der „Coupon aktivieren“-Button gedrückt werden.

Was sollte verbessert werden:

1. Aktuell noch zu versteckt
Warum die Coupons lediglich von der Unterseite nicht aber von den Produktdetailseiten einsehbar sind, erschließt sich mir noch nicht ganz. Erschwert aber natürlich die Auffindbarkeit. Ggbfs. ist das aber auch beabsichtigt, da man zwar zum einen die Schnäppchenjäger einfangen, aber gleichzeitig auch alle anderen Kunden nicht unnötigerweise auf einen möglichen Rabatt aufmerksam machen möchte. Damit das aufgeht, muss Amazon aber noch einiges für das Ranking in den Suchmaschinen tun oder sich darauf verlassen, dass „ihre Schnäppchenjäger“ die Seite schon längst gebookmarkt haben.

Update 03.06.2015: Mittlerweile
werden die Gutscheine auch auf den Produktdetailseiten ausgewiesen. Aktivieren muss man sie aber dennoch erst.

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2. Fehlende Transparenz des finalen Preises
Die zu meinem Coupon gehörenden Produkte werden mir aktuell weder mit dem normalen noch mit dem nach Anwendung des Rabattes finalen Preises ausgewiesen. Der User wird hier im Unklaren gelassen, was er im Endeffekt bezahlen wird. Ob es wirklich ausreicht darauf zu setzen, dass die Kunden das angebotene Produkt um jeden Preis haben wollen, nur weil es darauf auch noch Rabatt gibt, bleibt abzuwarten (da ich selbst im Onlineshop-Bereich arbeite, weiß ich, dass es nicht ganz trivial ist, Rabatte bereits vor dem Checkout anzuzeigen. Auch wenn das eine technische Limitierung sein sollte, ist es dennoch schlecht für die Usability ;)).

3. Künstliche Verknappung, die keine ist
Nach der Gutscheinaktivierung wird mir angezeigt, wie lange mein Coupon gültig ist. Bei meinen Tests endeten die Gutscheine entweder erst in einem oder gar zwei Monaten. Lediglich, wenn ich nach „baldiger Ablauf“ sortiere, finde ich Gutscheine, die innerhalb der nächsten Tage ihre Gültigkeit verlieren. Im Prinzip ist mir das aber auch schon fast egal, gibt es doch anscheinend ausreichend Gutscheine, so dass ich darauf vertrauen kann, dass da notfalls noch was nachkommt.

4. History-Back springt nicht immer an die Stelle, wo ich vorher war
Wenn ich von einer Produktdetailseite zurück auf die Couponseite gehe, lande ich nicht in jedem Fall wieder an der Stelle, von wo ich sie ursprünglich verlassen hatte. So ganz habe ich noch nicht herausgefunden, in welchen Fällen das passiert, allerdings nimmt es mir dann leider meine Orientierung.

5. Produkte lassen sich nicht direkt in den Warenkorb legen
Aktuell muss ich von der Couponseite erst auf die Produktdetailseite und von dort in den Checkout. Wenn ich mehrere Produkte haben möchte, muss ich jeweils immer zurück zur Couponseite, was „Mitnahme-Effekte“ erschwert. Die Möglichkeit, die Produkte direkt von der Couponseite in den Warenkorb zu legen, würde sich anbieten, da es sich bei den meisten doch eher um Low-Involvement-Produkte handelt, für die ich nicht unbedingt weitere Informationen brauche, um mich vom Kauf überzeugen zu lassen.

6. Coupons müssen erst aktiviert werden
Warum muss ich die Coupons erst aktivieren, um sie nutzen zu können? Aus Usability-Sicht erschwert es den Prozess, aus Business-Sicht ist aber zumindest nachvollziehbar. Hier setzt Amazon darauf, dass die Kunden, die die Produkte eh kaufen würden, den Coupon übersehen, während sie die Schnäppchenjäger ggbfs. vom sofortigem Kauf überzeugen können. Da man mitunter aber auch ein Spar-Abo eingeht, ist Vorsicht geboten.

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