Warum es sich (noch) nicht lohnt auf Google Analytics 4 umzusteigen

Warum es sich (noch) nicht lohnt auf Google Analytics 4 umzusteigen

Lesedauer: 3 Minuten

Am 14.10.2020 hat Google das neue Analytics Google Analytics 4 vorgestellt, welches über kurz oder lang das altbekannte Universal Analytic ablösen soll. Warum es sich aktuell aber noch nicht lohnt, jetzt schon umzustellen, erkläre ich in diesem Beitrag. 

Was ändert sich? 

Grundsätzlich befindet sich GA4 aktuell noch in der Beta-Phase. D.h. einiger der hier aufgelisteten Punkte werden sich (hoffentlich) in den nächsten Wochen und Monaten auch noch “rauslaufen”. 

Was sich aber grundsätzlich ändert:

  • Es gibt eine komplett neue Oberfläche und Gliederung, woran man sich am Anfang erst gewöhnen muss. 
  • Alles in GA4 gilt nur noch als Ereignis und es wird nicht mehr zwischen Seitenaufrufen und Ereignissen unterschieden. D.h. der Verhaltensreport für alle Seiten und Landingpages entfällt komplett. 
  • Es gibt deutlich weniger Standardberichte. D.h. man muss sich viel selbst zusammenbauen.
  • Die Bouncerate wird komplett abgeschafft und durch eine Engagementrate ersetzt. Als Engaged gilt jeder, der:
    => Länger als 10 Sekunden auf der Seite bleibt.
    => Ein Conversion-Ereignis auslöst.
    => Mindestens 2 Seiten aufgerufen hat.

Was aktuell noch komplett fehlt (und für mich ein Grund ist, nicht sofort umzusteigen):

  • Es gibt keinen Referrer-Ausschluss für paypal.com etc. mehr (Riesen Lücke, die es für mich daher aktuell noch nicht nutzbar macht).
  • Es gibt (noch) keine Filter, um bspw. Interne Filter oder Referral-Traffic auszuschließen. Stattdessen passiert alles komplett in einer “View” (genau genommen, gibt es Views gar nicht mehr, sondern alles passiert auf Property-Ebene). 
  • Es gibt keine eigenen Channel-Gruppierung mehr (um bspw. fehlgeleiteten Traffic in die richtigen Kanäle zu leiten). 
  • Die Integration mit der Search Console ist aktuell noch nicht möglich.
  • Es gibt keine einfache Integration von Contentgruppen mehr (Alles muss über GTM und dem DataLayer implementiert werden).

Was ist gut und neu: 

  • Es gibt deutlich flexibleres Ereignis-Tracking mit bis zu 25 Parametern (statt vorher nur in Event Category, Aktion und Label zu denken, kann man sich bis zu 25 Parameter ausdenken – Muss man natürlich erstmal sinnvoll nutzen wollen und aktuell gibt es auch noch keine Möglichkeit die alten Events in die neue Struktur umzuwandeln. Man müsste also komplett von vorne beginnen). 
  • GA4 kann automatisch Ereignisse messen lassen (Scrolls, Klick auf externe Links, Webseite-Suche, Engagement mit Videos, Downloads, …) => Tracken ist grundsätzlich gut, man muss die Daten aber natürlich auch auswerten wollen und dafür hilft es auch zu wissen, was überhaupt getrackt wird.
  • Man kann sich eigene Trichter basteln, die auch rückwirkend funktionieren.
  • Ziele lassen sich leichter anlegen (einfacher Schieberegler an den Ereignissen).
  • Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen normalen und Enhanced Ecommerce Tracking.
  • Es gibt Vorhersagen zu Conversion Wahrscheinlichkeit und Churn (Gibt es im Universal zwar auch, allerdings braucht man für beides mind. 1000 Conversions pro Monat so dass es vermutlich nicht direkt für jeden nutzbar ist).
  • Auswertungen sind per natürlicher Sprache möglich. D.h. ich gebe einfache eine Frage bei Analytics ein und GA4 beantwortet mir diese mit meinen eigenen Daten (Häufig ist die Herausforderung allerdings eher sinnvolle Fragen zu stellen, als tatsächlich die Antworten dazu rauszusuchen).
  • GA4 erkennt Unregelmäßigkeit in den Daten automatisch (Wenn bspw. Conversionrates unnatürlich in bestimmten Bereichen abweichen).
  • Es gibt deutlich mehr Möglichkeiten Daten miteinander zu kombinieren und entsprechende Analysen zu erstellen. 

Lohnt sich der Umstieg jetzt schon? 

Klare Antwort: Nein. Zwar gibt es spannende neue Funktionen und Auswertungsmöglichkeiten, allerdings ist die Umstellung mit hohem Implementierungsaufwand verbunden, da alle Events umgestellt werden müssen und sich auch ein paar Parameter geändert haben. Zudem ist noch vieles unfertig, da sich GA4 aktuell noch in der Beta-Phase befindet. Man braucht deutlich mehr Wissen als vorher, um sich Reports zusammenzubauen, so dass auch erstmal ein hoher Schulungsbedarf ergibt. 

Dennoch macht es jetzt schon Sinn zumindest einmal eine parallele Integration anzulegen und sich nach und nach ranzutasten. Der Support für Universal Analytics wird irgendwann (in ein paar Jahren) eingestellt und dann gibt es keinen Weg mehr dran vorbei. Da hilft es dann, wenn man nicht ganz unvorbereitet in die Umstellung geht.  

Nick
Nick

Nick ist Conversion Experte. Er hilft Webseiten- und Onlineshop-Betreibern bei der Optimierung ihrer Seite und entwickelt Strategien für eine conversionoptimierte User-Experience. Sein Motto: "Make the world (wide web) a better place".

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